Informieren die Studenten wir müssen?

„Dunkel, sehr Dunkel diese Seite ist.“

„Halt doch die Schnauze Yoda und ess endlich deinen Toast. „

Nun, die Wellen haben wieder höher geschlagen nach dem das StudiVZ seine neuen AGBs, Datenschutzrichtlinien und seinen Verhaltenskodex offenlegte. Ich habe ich nur leicht drüber ausgelassen. An anderer Stelle wurde darauf genauer eingegangen, einige haben sich Gedanken zu diesem Wirrwarr gemacht. Andere haben sich auf das Wesentliche im Leben besinnt.

Diese neuen AGBs, Datenschutzrichlinien und der ganze Schmadderadoz der dran hängt ist halt nur eine weitere Episode der Web 2.0 Seifenoper StudiVZ vs. „der Feind“. Das VZ verbockt etwas, jemand findet den Bockmist und hebt ihn auf, hält es dem VZ und allen Anwesenden unter die Nase. Darauf laufen zwei Prozesse los:

a) die Bockmist-Schleudern:

All jene Surfer, Blogger, Forennutzer und Inhaltsproduzenten, welche die ersten Nachrichten aufgreifen, verbreiten, kommentieren und in Umlauf bringen. Diese Gruppe ist meist kritisch eingestellt, und wenn auch nicht immer mit dem besten jornalistischem Handwerk gesegnet sorgen sie in einer Art Grasnarben-Betrachtung für ein recht realistisches Bild über die Ereignisse.

b) der Propaganda-Sturmtrupp:

Wenige, wenn nicht sogar einzelne Aktivisten die dieser gar grausamen Behandlung des VZ entgegenwirken wollen. Kennzeichen: Anonyme Beiträge in den bekanntesten Blogs, vermehrt von einem Einwahlbereich ausgeführt, doch unter verschiedenen Bezeichnungen auftretend (Hey, vielleicht tu ich ihnen ja unrecht und die armen vierzig PRäuber müssen sich einen alten PC teilen, und Emailadressen wurden ihnen auch nicht gegeben…). Sie sorgen bei Gruppe a) für gemischte Reaktionen, die meist von Verärgerung bis Belustigung reichen. Ab und an schnappt dann ein etwas größeres Medium, ob nun Heise oder Golem diese Vorfälle auf und kommentiert sie.

Dieses Spiel wiederholt sich nun von VZ-Störfall zu VZ-Störfall mit wechselnder Besetzung, manchmal mit starken Reaktionen, ein andermal mit Wellen im Goldfischglas. Doch an einer Gruppe geht dieser ganze Kram vorbei:

Denjenigen, die am meisten davon Betroffen sind: Der Durchschnittsnutzer beim VZ.

Sind wir ehrlich, diejenigen die nach Meldungen zum StudiVZ suchen, sich informieren sind meist auch diejenigen, die soetwas schreiben. Es sind auch diese Leute, die bei Heise mitlesen, oder bei Golem. Sie kennen sehr wahrscheinlich die blogbar oder das lawblog. Und wissen von den Fehlern und Problemen des VZ. Doch das ist nicht die Mehrzahl der angemeldeten Nutzer. Die lesen nicht auf Heise oder Golem, die kennen garantiert nicht die blogbar, das lawblog auch nicht. Und somit bekommen sie auch nichts davon mit, was alles an Problemen akut ist.

Ca. 10% der regelmäßigen VZ-Nutzer wird ab und an ein Blick in das Blog geworfen haben. Dort fanden sie, ab und an, noch Hinweise auf die Probleme. Das Blog ist weg. Und ob es in der Form wieder kommt, nunja…

Nutzerdaten sind im richtig grossem Stil verschwunden. Der Großteil der Nutzer hat sich nichtmal gewundert warum ein neues Passwort erstellt werden musste. „Ist halt so, ich schau da eh nur einmal in der Woche rein…“ war eine meiner Lieblingsantworten als ich mal nach Reaktionen gefragt hatte, die beste war aber noch: „Ach, ich vergess mein blödes Passwort eh regelmäßig, dann lass ich mir eh ein neues zuschicken.“ !!!!!!111elf?

Studentenvertretungen (Ihr wisst schon, die Leute die von knapp 8-12% der Studenten einen Aushilfsjob Asta-Stelle angewählt bekommen) sind auch nicht sonderlich interessiert gewesen, Studiengebührenproteste waren wichtiger. Ebenso sieht es von Seiten der Universitäten aus. Ich weiss es gibt da Ausnahmen, aber leider sind und bleiben das solche. Vielleicht kommen aus der Richtung noch mal Protest und Warnungen. Vielleicht erreicht dieser Protest dann ein paar Studenten mehr als die Blogs. Verlassen darauf kann man sich nciht.

Nun die Feinheiten der AGB und des Verhaltenkodex. Wenn man den Schmarrn der dort passiert mitbekommen will, braucht man ein Account. Aufgrund der vielen Probleme haben die meisten sich dazu entschlossen (halbwegs) anonyme Konten zu nutzen. Hier wird nun ein Riegel vorgeschoben. Wer weiterhin über die Probleme im VZ berichten will, kann zumindest Unanehmlichkeiten bekommen. Vielleicht hofft man in der Hauptstadt auf den Abschreckungseffekt. Vielleicht will man ein Exempel statuieren. Aufjedenfall will man gewisse Kreise Mundtod schalten. Und somit den Kreis der Informierten weiter verkleinern. Bis es kaum noch Chancen gibt, das die Nutzer über die Probleme erfahren können. Warum?

Probleme wir sehen können nicht. Also Probleme es geben keine nicht.

6 thoughts on “Informieren die Studenten wir müssen?

  1. Okay, Du hast Recht, die Masse der Studis, der Studierendenvertretungen und der Unis kümmert sich darum nicht.

    Aber für die StudiVZ-Leute sind das auch nicht die relevante Zielgruppe. Die relevante Zielgruppe sind die Kapitalgeber. Die lesen die Blogs schon mit. Auch wenn sie sich wahrscheinlich eher ins Fäustchen lachen, wie StudiVZ die gesamte Blogosphäre verarscht.

    Die Blogger haben es zumindest geschafft, dass Darianis Pläne, StudiVZ für einen größeren mehrstelligen Millionenbetrag zu verkaufen, erstmal gescheitert sind. Stattdessen mussten sie sich mit einem kleineren Betrag zufrieden geben, der auch noch über mehrere Jahre gestreckt wurde.

  2. Aber grad die offiziellen Stellen und die Studentenvertretungen seh ich als Mittel Informationen an möglichst viele Studenten verbreiten zu können.
    Die Kapitalgeber spielen im Moment im Hintergrund mit. Der Durchschnittstudent ist die andere Hälfte des aktuellen „Kapitals“. Und auch derjenige, der das SchülerVZ zum Leben erwecken soll, wenn er seinen kleinen Geschwistern erzählt wie toll das doch alles ist.
    Wenn man nun einen entsprechenden Anteil an Studenten erreichen könnte und ihnen eine etwas andere Sicht auf dieses Portal geben würde: der Rest wird dann wie eine Lawine einbrechen, wenn es aufeinmal nicht mehr „in“ ist, dabei zu sein. Sondern eher mal darauf zu achten wo sie sich da angemeldet haben.
    Idealistisch, ich weiss 😉

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