Und sie sterben nicht aus…

Ich durfte soeben (mal wieder) eine Glanzperle von verdecktem Rassismus erleben.

Im Grunde wollte ich nur ein wenig Wasser kaufen, also schnell ab zum nächsten Discounter. Wie üblich war natürlich nur eine Kasse offen, wodurch sich das ganze etwas in die Länge zog. Hinter mir an der Kasse stand eine junge Familie, vielleicht arabischer Abstammung, und wartete auf etwas Platz auf dem Band.

Das war der Zeitpunkt für das Auftreten von, nun nennen wir ihn Anton Schloch. Sonnenbank gebräunt, ein goldenes Kreuz auf dem straffgespannten T-Shirt, die entsprechende Sonnenbrille in den Haaren, wohl am Ende seiner 40er. Und nicht nur an deren Ende A.Schloch beschloss, das freiwerdene Band mit seinen gejagten und gesammelten Beutetieren zu bewerfen (TK-Pizzatierchen und PET-Bierflaschenfrüchte waren wohl auch dabei), quer über die halbe Schlange hinweg. Der Mutter der Familie schlich schon ein etwas, nun sagen wir verwunderter Gesichtsausdruck in selbiges. Jedenfalls schüttelte sie kurz den Kopf, und fing an den Inhalt ihres Einkaufswagen hinter diesen, nennen wir es Wurfgeschossen, zu plazieren. Dann kann es zu folgendem Dialog zwischen der jungen Familie:

Er: Waren wir nicht hinter den beiden (er meinte meine Freundin und mich)?

Sie: Doch, aber der Mann dort vorne hat seine Sachen einfach da hingelegt.

Er: [..]einfach vorzudrängeln, sowas…[..]

Ich konnte nicht viel mehr verstehen, weil die beiden sehr, sehr leise miteinander gesprochen haben. Es war kein lautes Gemeckere, nichts was irgendwie für Aufregung gesorgt hätte. Das war aber nun der Punkt für den zweiten Akt von A.Schloch. Rasend wie ein Wiesel komisches Tierchen, nahm er seine Beute (witterte das Tier in ihm Gefahr?) und schleuderte sie vom Band. Auf den Boden, auf die Angebotskörbe, jedenfalls mit viel Gewalt und Lärm. Selbiger kam nun auch aus A.Schlochs oraler Gegend.

„DAS MUSS ICH MIR HIER NICHT BIETEN LASSEN! SOWAS UNVERSCHÄMTES, MICH SO ZU BESCHIMPFEN, ICH GLAUB […] “ Nun war so ziehmlich jeder an der Kasse leicht verwundert ob dieses gewaltätigen Ausbruchs, auch die Familie wirkte leicht entsetzt, zumal das kleine Kind doch recht nah an der Gefahrenzone im Einkaufswagen saß. Der berechtigte Einwand der Frau, das er sich doch einfach vorgedrängelt hätte (und das hat er, nicht nur an der Familie vorbei sondern an einigen Leuten mehr) wurden nur noch mehr Laute, unflätige, rassistische Worte entgegen geworfen. Dieses ganze Geschrei schien diesem kackbraunem HB-Männchen doch soviel von seinem eh kaum vorhandenem Verstand zu rauben, das es ihm das Sprechen erschwerte.

„DU NICHT REDEN SO MIT MEINER FRAU! DU GEHÖRT! NICHT SO! ICH NICHT REDEN SO MIT DEINER FRAU!“, seinem Frust viel nun auch das hinter ihm stehende Müsli-Regal zum Opfer.

Der angenehmere Teil der Geschichte, und der eigentliche Grund warum ich davon schreibe:

Nachdem dieses Wesen sich nun immer mehr ereifert hatte und in wirklich unfreundliche Worte und Andeutungen verfiel, was dazu führte das der Mann hinter mir auch etwas lautstärker wurde (Wobei er immernoch sehr höflich war und gut artikuliert sprach) passierte folgendes:

Bis auf die beleibte Kassiererin, die nur in sich kicherte (Ok, dieses kackbraune HB-Männchen war wirklich eine Lachnummer) gab es nicht nur von uns, sondern von allen Anwesenden, quer durch alle Altersgruppen und „Schichten“ Kontra für den Schreihals. Mit anderen Worten, alle waren gegen ihn und seine verquerte Meinung. Seiner glatzigen sehr kurzhaarigen Frau wurde die gesamte Sache wohl auch sehr peinlich, was dazu führte das dieses Paar nun still und heimlich ans Ende der Schlange gehen musste. Unverschämt, unmöglich und peinlich waren die mildesten Sachen die sich dieses Paar dann anhören mussten. Nur Schade das die Kassiererin nicht genug Mumm hatte den Kerl aus dem Laden zu schmeissen, ihr Kollege an der gerade öffnenden zweiten Kasse hätte wohl sichtlich Spas daran gehabt.

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