Die Würde des Menschen ist auch nur ein Begriff

Jürgen hat ja einige interessante Gedanken zu dem Thema Würde des Menschen und den Umgang mit dem eigenen Körper niedergeschrieben. Damals ging es um die Idee des Peter Oberender, dem die Idee Organe, zur Sicherung der eigenen Existenz, zu verkaufen ganz gut gefiel. Ganz frei nach dem Motto „Lieber Arm ab als arm dran.“

Heute hab ich dann folgendes gefunden, das thematisch nicht viel anders ist:
Endemol: Aufregung um Organspende-Show – DWDL.de

Konzept der neuen Show ist kurz gefasst:
Frau, totkrank, will ihre Niere spenden. Zuschauermob entscheidet per Televoting welcher Kandidat die Niere bekommt. Das ganze läuft dann noch im öffentlich-rechtlichen Sendeprogramm.

Die Idee ist nun wirklich nicht neu, schon im alten Rom durfte der sabbernde Mob dem Kaiser per Jubel anzeigen, welcher der Gladiatoren sein kurzes und gepeinigtes Leben weiterführen darf. Nun sind es halt Menschen mit Nierenerkrankungen die auf das Wohl des Mobs (in diesem Fall nicht in der Arena sitzen, sondern auf der heimischen 3-2-1 Kombination, die Gerstenkaltschale vor sich und das Telefon in der Hand) angewiesen sind.

Inwieweit eine solche Sendung Sensibilität für das Thema Organspende wecken soll kann mir BNN gerne nochmal erklären. Man macht 3 Menschen Hoffnung auf das lebensrettende Organ, 2 gehen leer aus. Ihr Leben ist halt nicht entsprechend Publikumsgerecht gestaltet. Die Gesichter zu unsympatisch. Oder zu langweilig. Aufjedenfall können sie sterben?

Vielleicht wird es ja bald mit anderen innovativen Sendekonzepten von Endemol kombiniert. Wenn der Harz4 Harald aus dem BigBrother Dorf/Haus/Wagenburgle von den Zuschauern rausgewählt wird, kann er durch die Spende einer Niere, der Amputation einer Hand oder der Abgabe einer Samenspende eine 2. Chance erhalten. Vielleicht gilt sowas auch als Zusatzjoker bei Wer wird Millionär?, wenn der Kandidat nicht weiter weiss kann er gegen Abgabe einer Blutspende erneut das Publikum fragen.

Mag sein das diese Meldung aus dem Express (ja, genau der) eine halbe Ente ist oder nur eine Idee darstellt, die bei Endemol rumschwirrt. Aber allein das diese Gestalten daran denken über solche Mittel Geld zu verdienen (Televoting) und sich an der Angst und der Krankheit anderer Menschen zu ergötzen ist sowas von widerwärtig, das man nur hoffen kann das irgendwann in näherer Zukunft das Gesetz der Gerechtigkeit zuschlägt….

3 thoughts on “Die Würde des Menschen ist auch nur ein Begriff

  1. Feanor's Curse says:

    Gab ja iirc auch mal ne Show, bei der Arbeitsplätze gewonnen werden konnten, bis das gestoppt wurde. Organe ist natürlich ne Nummer härter aber letztlich gehts beides in die gleiche Richtung. Brot und Spiele ist halt wichtiger als was abstraktes wie Würde oder auch mal fünf Minuten nachdenken.

  2. Ich hab das auch gelesen, allerdings nicht im Express. Keine Ahnung, ob die Quelle „besser“ war.

    Es läuft halt in letzter Konsequenz nur noch darauf hinaus, dass in den Shows möglichst maximal Leiden und Elend gezeigt wird, so dass sich der Zuschauer besser fühlt, ja er am Ende noch in seiner eigenen Ohnmacht ein Gefühl von Macht bekommt, über das Leben eines anderen Menschen zu entscheiden. Running Man war dar fast noch menschlich gegen, immerhin konnten die Gladiatoren aus eigener Kraft sowas wie gewinnen.

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