Ähhh… Reader… – Buch gewinnt

Tja, so kommt das wenn man einen Artikel nicht schnell genug fertig schreibt, da sind die bebilderten Medien dann schneller. Aber ich werd mal eine verkürzte Version einstellen, andere Meinungen findet man bei SpOn, Heise und Co.

Es geht um Ebook-Reader. Klammern wir erstmal digitale Formate wie PDFs aus, es geht nun weniger um ein spezifisches Format als um den Unterschied Digital vs. Analog: elektronisches oder echtes Papier. PDAs, Net- oder Notebooks, Handys, alles erstmal sekundär. Es geht um spezielle Lesegeräte rein für digitale Bücher und Zeitschriften. Die Geräte bringen auf den ersten Blick einige, objektive, Vorteile gegenüber klassisch gedruckten Büchern, Zeitschriften und Zeitungen mit:

  • Die Größe: Je nach Modell irgendwo zwischen Taschenbuch und Zeitschrift einzuordnen, dabei meist nicht viel dicker als zwei Tafeln Schokoalde passt ein Ebook-Reader überall hin und kann immer mitgenommen werden.
  • Der Speicherplatz: Ob nun mit Webzugang oder internen Speicherplatz, in diese kleinen Dinger passen ganze Bücherregale. Insbesondere für mobile Anwendungen kann das unglaublich angenehm sein. Egal wo man ist, alle Quellen/Bücher/Materialien sind dabei, in kompakter Form.
  • Die Vielseitigkeit: Digitale Medien erlauben mehr Bearbeitungsmöglichkeiten als papiergebundene Exemplare. Querverweise, Markierungen, Überarbeitungen, Vergrößerungen oder Aktualisierungen: Grenzen sind hier nur der Phantasie gesetzt. Insbesondere in Verbindung mit einem Internetzugang können so verschiedene interaktive und integrierte Möglichkeiten geschaffen werden.
  • Die Robustheit: Ok, auch wenn das im Moment noch nicht gegeben ist, schätzungsweise in einigen Monaten dürfte es die ersten schlag, spritzwasser, und schockfesten Varianten geben. Je nach verwendetem Reader können auch ungünstige Lichtverhältnisse besser zu bewältigen sein als mit einem konventionellen Papiermedium.
  • Die kleinen Gründe: Klein nicht deswegen, weil sie unwichtig sind sondern weil sie für die Gerätewahl eher sekundär sind. Umweltschutz: Kann eine Milchmädchen Rechnung werden, aber die optimistische Rechnung ist erstmal: 1 Reader vs. alle Papiermedien die darauf genutzt werden. Bonusinhalte: Gedruckt ist gedruckt, ein digitales Medium kann erweitert, aktualisiert und korrigiert werden. Sogenannte Mehrwerte der digitalen Bücher gegenüber der klassischen Exemplare können als Wechselgrund gesehen werden. Zusatzfeatures: Wiedergabe von Audiodateien, Spielchen, Integration von Webinhalten wie RSS-Feeds, Wetterinformationen etc. : Inhalte die über die eigentliche Funktion reichen, aber als Kaufgrund angeführt werden können.

All diese Gründe sprechen für ein digitales Gerät anstelle von Papier. Natürlich haben die Geräte auch einige Nachteile:

  • Die Inhalte: Sie müssen in ein entsprechendes Format gebracht werden, bzw. der Reader oder die verwendete Software muss es wandeln können.
  • Die Abhängigkeit: Abgesehen von DRM-Problemen, selbt der beste Akku muss irgendwann aufgeladen, ein elektronisches Gerät trotz aller Robustheit entsprechend sensibel behandelt werden.
  • Die Kosten: Mögen die Folgekosten zwar gering sein, die Anschaffung eines Ebook-Readers liegt immer noch im gehobenen Bereich, insbesondere um bei der Allgemeinheit eine Durchsetzung zu erreichen. Ein Gerät „nur für Bücher“ das so teuer ist wie ein Mobiltelefon/Navigationsgerät/Spielkonsole hat es erstmal noch schwer. Verrückte Early-Adopter mal ausgenommen.
  • Die subjektive Ablehnung: Für Entwickler und insbesondere für verblendete Werbe/Marketing-Menschen nicht verständlich aber vorhanden: Hunderte Jahre Anwendung kann man nicht ohne weiteres überwinden: Buch gehört auf Papier!

Nun, man könnte das für jeden einzelnen Anwendungsfall natürlich abwiegen. Oder über semantische Analyse lösen. Ich will nun erstmal ein paar typische Anwender bzw. Anwendungsfälle auflisten und meine Analyse für die Anwendbarkeit eines Readers in der Zielgruppe geben.

Reader als Romanersatz:

Wenigleser fallen schon mal aus. Sprich: Wer nur 5-6 Bücher pro Jahr liest, wird sich so einen Reader nur unwahrscheinlich zulegen. Menschen, die viele Romane lesen, schätzen aber neben den Inhalten die dargebotene Form: Raschelndes Papier, der Duft eines neuen oder alten Buch, schöne Einbände oder allein der haptische Eindruck eines Buches kann nicht in einen Reader gepackt werden. Und ein Vorteil kann so auch zum Nachteil werden: Man kann zwar ganze Bücherregale in einen Reader packen, aber keinen Reader in ganze Bücherregale (Ok, letzter Punkt stammt von einem Autor der eine eigene Bibliothek sein eigen nennen möchte und alte und neue Bücher sammelt). Auch im Urlaub kann man den Roman eher am Pool, Strand oder auf dem Nachtisch liegen lassen als einen (teuren) Reader. Neben den oben erwähnten Zusatzfeatures kann man die weiteren Möglichkeiten eines Readers zudem nur schwer in einen normalen Roman integrieren.  Eine Verbindung mit Audio- oder Videoinhalten dürfte zudem die eigentliche „Vielleser“-Zielgruppe vergraulen.

Reader im wissenschaftlichen/beruflichen Einsatz:

Klingt im ersten Moment ja gut: Dokumente, Arbeiten und Materialien überall dabei haben, Markierungen und Änderungen im Text vornehmen können und das ganze in einem ultramobilen Format. Klingt aber nur im ersten Moment gut. Dokumente müssen in Vorlagen passen, versendet werden und bereitgestellt werden können. Viele Office-Programme haben umfangreichere Überarbeitungsmodi, Der Laptop ist unterwegs eh dabei und an, nur selten wird rein auf Papier zugegriffen. Und „noch ein Gerät“ kommt vielleicht bei manchem Informatiker gut an, insgesamt ist der Aufwand der Synchronisation aber zu hoch um ein bequemes Werkzeug zu sein. Die Chancen stehen aber dennoch nicht so schlecht, insbesondere wenn spätere Reader handschriftliche Ergänzungen und Kommentare aufnehmen und interpretieren können gibt es gewisss eine Zielgruppe in diesem Anwendungsfall.

Reader als Zeitungsersatz:

Den mittelfristigen Tod der Printmedien habe ich ja schon mehr als einmal vorhergesagt. Bei Anwendungen des Reader geht nun nicht um die 10 Pfennigs-Bild auf der Baustelle, eher um Zeitschriften oder umfangreiche Tageszeitungen. Die Übersicht auf dem Reader ist hier besser als im Printmedium. Natürlich gibt es auch hier ein „Look and Feel“ der klassischen Zeitung, das nicht dargestellt werden kann. Insbesondere das Ritual des Zeitungslesen, das Abschalten, geniessen eines Kaffees oder Tees (oder einer Zigarette) kann als kleiner Event gesehen werden, aber verbunden mit den interaktiven Möglichkeiten gibt es hier Vorteile gegenüber dem Printmedium. Wenn es aber gerade um Aktualität und Multimedia-Eigenschaften geht verliert der Reader gegen den klassischen PC oder das Notebook. Videos? Lifestreams? Podcasts? Die Luft in diesem Bereich wird Eng für die Reader. Das Ziel bei dem „Konsum“ von Zeitungen ist die Information, und in digitaler Form kann diese besser überbracht werden als rein auf elektronischem Papier.

Und sonst?

Für Comics fällt der Reader bisher noch aus, zu schlechte bzw. schlichte Darstellung der Bilder. Dabei wäre diese Anwendung noch eine Marktlücke in der ein Reader Möglichkeiten hätte. Comics im Abo die auf den Reader geladen werden und dann auf dem Weg zur Arbeit gelesen werden könnten. Gerade Comics könnten profitieren von audiovisueller Unterstützung. Kritisch ist aber der Sammelfaktor. Jemand der regelmässig Comics einer Serie kauft, sammelt diese auch, und wie wir wissen: EIn Reader füllt keine Bücherregale. Zur besseren Verständlichkeit: Es geht weniger um Mäuse und Enten, eher um jugend- bzw. erwachsenentaugliche Comics der großen und kleinen Stars der Szene. Ob nun Mutanten oder dunkle Helden, die Hefte in drei- bis vierstelliger Anzahl könnten einen Reader füllen. Von der Möglichkeit Manga/Hentai auf einem entsprechenden Gerät darzustellen reden wir nicht lang – ist die technische Möglichkeit serienreif (also elektronisches Papier in der Lage qualitativ hochwertige Grafiken darzustellen) wird es ein Selbstläufer in asiatischen Gefilden. Eine große Gefahr oder zumindest ein kritischer Punkt: Werbung im Reader. Innerhalb einer Zeitung oder eines Magazins kann man Werbung klar erkennen und gut plazieren. Wie handhabt man das bei einem Reader? Online-Werbeeinblendungen die eine Internetverbindung benötigen fallen schon aus. Grafiken für Werbung sind auch noch kritisch zum aktuellen Zeitpunkt. Reine Texte also, wie „früher“? Zumal die Werbung gekennzeichnet und hervorgehoben werden sollte/muss, das schreit quasi nach einer Filterung. Und wenn man die Werbung erstmal fallen lässt? Nun, dann verliert man eine Einnahmequelle. Zwar spart man „Druckkosten“, aber der Gewinn beim Printmedium ist immer noch höher. Also eher Inhalte ohne Werbung. Somit landen wir wieder bei den Büchern. Wer würde denn seine Bücher so lesen (wollen)?

So, ich habe hier den Artikel mal etwas zusammengekürzt, da viele Punkte eh in der momentanen Diskussion sind (und das hier kein Paper mit einer Mindestlänge werden muss).

Stimme und ein Reader? – ein kleines Fazit

Würde ich mir einen Reader kaufen? Momentan und in näherer Zukunft sicherlich nicht. Auch wenn ich viele Texte lesen darf/muss, so reicht mir bei den meisten Dingen der Laptop zum Lesen. Wenn es mobiler sein muss, schwenke ich auf mein Netbook um oder drucke mir die entsprechenden Seiten aus. Dies gilt für wissenschaftliche Texte und Arbeiten die für Information und Recherche genutzt werden. Also weniger Bücher, Romane und Geschichten. Zu denen komme ich gleich. Magazine und Zeitungen? Lese ich selten. Mal am Wochenende oder zwischendurch (Der Kaffee/Tee-Faktor), aktuelle Informationen hole ich mir dagegen aus verschiedenen Medien online, meistens hochaktuell und verbunden mit weiteren Informationen. Magazine ersetze ich ebenfalls durch Onlinequellen oder, wenn die Thematik zu selten ist, sammele ich die Ausgaben auch. Keine Möglichkeit für einen Reader einen Ersatz zu bilden.

Gehen wir mal zu Büchern: Romane, ob nun trivial oder hochqualitativ. Ja, es ist subjektiv aber ich mag lieber ein Buch. Das raschelt, das ich umblättern kann. In das ich mein Lesezeichen stecken kann, das nach Papier riecht. Das vergilbt und schön im Regal steht. Das ich vielleicht auf dem Flohmarkt für 2 € gekauft habe, das 100 Jahre alt ist. Das Lesen solcher Werke bedeutet für mich Freizeit, Entspannung und ich kann das nicht mit einem elektronischen Lesegerät verbinden. Das von jemanden, der sonst keine Probleme mit elektronischen Gimmicks hat. Ich will mir nicht die Meinung von anderen Buchliebhabern vorstellen müssen.

Das von mir zu Ebook-Lesegeräten. Bin mal gespannt wie der Markt sich entwickelt, aber kurz- und mittelfristig sehe ich noch kein „Land“ für diese Geräte. Aber ich mag mich irren 😉

9 thoughts on “Ähhh… Reader… – Buch gewinnt

  1. Ich denke mal es ist wie so oft: die ersten ein-zwei Jahre wirds kaum genutzt, dann werden die Dinger richtig billig und auch benutzt. Gerade die Tageszeitung und Magazine, die man im Abo bezieht und deren Müll nach Konsum beseitigt werden muss, könnte man damit leicht ersetzen. Und müsste sie danach gar nicht mehr wegwerfen. „Letztes Jahr habe ich einen Interessanten Artikel in der NWZ zum Thema mögliche Kreditblase gelesen“ könnte mit dem Griff zum Reader schnell beantwortet werden. Aber wie wollen di die Subway und Burger King Gutscheine mitliefern?!?

    Die Dinger sollten aber meiner Meinung auch nicht so groß sein. Ein Touchscreen wäre auch nicht schlecht, dann könnte man diese blöden Tasten weglassen und im Apple Style per Wisch umblättern. Dann allerdings würde sich ein Reader wieder nicht lohnen, weil man dann eigentlich auch besser einen vollwertigen Tablet-PC nehmen könnte. Der übrigens meiner Meinung nach eher die nächste Revolution wird.

    Trotz allem schwingt dem ganzen ein bisschen SciFi-Flair mit: Solche Geräte wurden irgendwann in Science Fiction Romanen als selbstverständlich beschrieben – und als SciFi Fan freut es mich, dass wir diese Zeiten so langsam erreichen.

  2. Stimme (mit Stimme) größtenteils überein – die Hauptfrage ist für mich, ob es in einigen Jahren Sinn gibt, einen Reader nur auf die Reader-Funktion zu beschränken. Ich hab‘ vor kurzen auch über die Reader kurz nachgedacht und bin sehr schnell zum Entschluss gekommen, mir eher ’nen eeepc oder sowas anzuschaffen und den zum Lesen von Artikeln/Fachbüchern auf einer meiner vielen Zugfahrten zu benutzen. Klar, die Dinger sind nicht zu vergleichen mit ’nem Reader von den Lesequalitäten – aber da sind für mich dann auch wie Tim schon sagte vollwertige Tablet-PCs die Alternative.

  3. Einen A6-Reader kann ich mir für Romane als Taschenbuchersatz noch relativ gut vorstellen – allerdings finde ich die als Buch schöner. Um Zeitungen zu verdrängen, müßte so ein Teil allerdings schon A4-Format haben, damit man eingermaßen zügig querlesen kann. Und wenn die Dinger momentan ohnehin nicht adäquat Bilder darstellen können, ist der Nutzwert ohnehin stark eingeschränkt. Und mal eben schnell blättern ist auch nicht drin, ich weiß schon, warum ich Texte lieber als Buch lese anstatt mich durch ein pdf zu wühlen.

  4. So, das Teil jetzt etwas flacher, ausreichender Prozessor, RAM und Akku, FLASH-Speicher und eine Möglichkeit, Daten in Form von pdfs oder so drauf zu packen – fertig ist meine E-Zeitung. Nix aufwändiges, Maus schtonk, Tastatur schtonk usw.

  5. Nun, das ist schon kein Reader mehr sondern ein kompletter PC. Ich habe ja nicht gegen Ebooks sondern gegen gesonderte Lesegeräte argumentiert 😉 Was die Kiste da kann, das kann mein Netbook auch, 10,2″ 1024×600. Damit hab ich fast A4 und kann unabhängig vom verwendeten Programm den Bildschirm rotieren. Nur werd ich darauf nie ein (privates) Buch lesen wollen 😉

    Ich denk mal die Reader sind eine Todgeburt. In ein paar Jahren haben sich die Netbooks verbilligt, können mehr usw. und übernehmen die gewünschten Funktionen. Und (Tages)zeitschriften werden dann halt aussterben. Am Bahnhof eben aus dem WLAN „ein paar“ aktuelle Artikel gespeichert und während der Fahrt hat man was zu lesen. Zum Bleistift 😉

  6. MUslar says:

    beruflich muss ich immer mal so an die 8000 Seiten an Normen per PDF dabei haben – dafür würde ich das Ding immer nehmen wollen, wenn mann dann noch annotieren und druchuschen kann, wärs perfekt.

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