hydra 2.0 – Abmahnung durch angebotene Services?

Ja, des Content Providers ärgstes Problem: Die Abmahnung. Das man sich im Internet nicht an „fremden“ Dingen bedienen kann: wissen wir. Das man sich nicht so sehr bzw. in dem Wortlaut über schlechte Firmen ärgern darf wie abends am Stammtisch: wissen wir. Das man nun abgemahnt werden kann für angebotene Dienstleistungen: wissen wir nicht.

Es geht um den Fall, in dem anscheinend das Upload Magazin abgemahnt wurde, weil es das Plugin „subscribe to comments“ verwendet. Kurz eine Erklärung was das Plugin macht:
Jeder der eine Antwort zu einem Beitrag schreibt kann sich damit informieren lassen, wann es weitere Antworten gibt. Eigentlich ganz praktisch und erhöht definitiv die Kommunikation auf einem Blog. Man muss nicht nachsehen wann es Antworten gibt, man erfährt es per Mail. Das ganze kann man natürlich auch wieder abbestellen (so ein Link sollte in der Mail stehen), wenn man den Antworten nicht mehr folgen will.

Nun tritt das Problem auf, was passiert wenn das Blog als gewerblicher Dienst eingestuft wird und jemand diese Benachrichtigungen erhält, obwohl er das nicht will? Also für den Fall in dem jemand eine falsche Emailadresse eingegeben hat, ob nun absichtlich oder unabsichtlich.  In gewerblichen Mails müssen verschiedene Angaben vorhanden sein. Die erhoffte Lösung von Seiten der Betroffenen: Eine Bestätigung bzw. Anmeldung zur Nutzung dieses Services. Nun, zum einen möchte ich nicht viele Nutzer in meinem Blog haben, allein aus Sicherheitsgründen. Zum anderen möchte ich mich auch nicht auf jedem Blog anmelden müssen um einen solchen Service nutzen zu können.

Eine eigene Abfrage könnte auch schon wieder kritisch sein, je nach Gusto der Gegenseite die sich betroffen oder bedroht fühlt reicht auch schon eine solche unaufgeforderte Mail aus. Zumal die Hürden auch hoch genug gesetzt werden müssten, um automatisches Eintragen zu verhinden (Captcha, würg…),

Das große Problem was ich bei diesem Fall gerade sehe: Es ist eine Abmahnung. Kein Urteil, keine erhobene Klage, einfach eine Abmahnung, die der Betroffene anscheinend(?) aktepziert hat. Ohne den genauen Wortlaut oder die Hintergrundgeschichte kann man nun viel spekulieren was passiert ist, weiss aber nichts genaues.

Schade finde ich nur, das es im moment eine kleine Panik-Welle gibt, bei der dieser nützliche Service deaktiviert wird. Vielleicht wird sich jemand des Plugins annehmen und eine „eingedeutschte“ Variante erstellen, die eine zusätzliche Abfrage ermöglicht. Doch der nächste Grund kommt bestimmt.

BTW: Bei SPON kann man ohne weiteres an irgend eine Email-Adresse den Hinweis auf einen Artikel verschicken. Bei vielen anderen großen kommerziellen Seiten auch. Beispiel:

Dieser Artikel wurde Ihnen geschickt von mail@example.arctica mit der
persönlichen Mitteilung:

   Lesetest!

Bitte beachten Sie:
SPIEGEL ONLINE hat die Identität des Absenders nicht überprüft

Dann der Artikel, dann Hinweise auf weitere bzw. ähnliche Artikel. Garantiert kein Einzelfall. Also entweder arbeitslose Juristen können nun neben Bildchen eine neue Einnahmequelle öffnen, oder das ganze Thema ist ein Murks sondergleichen. Ich bin mal gespannt…

Mein Post der hat drei Sichten, drei Sichten hat mein Post…

…und hät er nicht drei Sichten, so wär das nicht so gut!

Der aktuellste Fall einer Abmahnung hat noch nicht so die großen Kreise gezogen, es fängt grad aber an.

Jemand lässt sich eine Marke eintragen.

Dieser Jemand nutzt diese Marke um sein Informationsangebot ins Netz zu stellen.

Nennt man nun einem Internet affinen Menschen diesen Begriff, so wird er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit das Angebot des Markenbesitzers damit verbunden.

Die Marke besteht übrigens schon über 3. Jahre.

Dieser Jemand bemerkt das unter diesem Begriff Firma X vergleichbare Angebote ins Netz stellt.

Vergleichbar grob, denn Firma X nutzt diesen Begriff auch, um direkt etwas zu verdienen.

Nun passiert folgendes:

Markenbesitzender denkt sich: „Mh, der Begriff ist wegen mir relativ bekannt, warum sollte ich nun zusehen wie jemand anders damit den Reibach macht. Zumal es ja meine Leistung ist, und die Marke habe ich ja auch noch.“

Schreibt einen ersten Versuch den Konflikt zu belegen. Dieser endet anscheinend fruchtlos. Dann gibt es wohl einen weiteren, nicht mehr ganz so netten Versuch diesen Konflikt zu belegen. Der wird wohl auch nicht ganz so nett beantwortet. Nun wird diese Firma abgemahnt.

(Nebenbei ganz sinnvoll, wenn man solch ein Problem schnell aus der Welt bekommen will sollte man Abmahnen, wenn man den langen „normalen“ Weg eingeht kann leicht behauptet werden es sei nicht wichtig gewesen)

1. Sicht: „Neutral alá Stimme“

Fazit: Ich finde die Reaktion so ok. Grade im Web 2.0 Bereich wird vielfach versucht auf dem Erfolg anderer mitzuschwimmen. Die Namen und Begriffe bekannter Seiten werden übernommen, als Meta-Tags gesetzt um etwas von dem Erfolg in Suchmaschinen abzugraben. Wer es nicht glaubt muss sich doch nur die unzähligen SEO-Blogs und Seiten ansehen die es inzwischen gibt (BTW: Sind das die ganzen Webdesigner aus dem Jahr 2000? Evil).

Hier wurde eine Marke geschützt, wenn man so etwas nicht macht dann verfällt das Recht auf die Marke auch recht schnell. Abgemahnt wurde keine Privatperson aka. armer kleiner Hans Blogwurst sondern ein Unternehmen das profitorientiert eine Internetdienstleistung anbietet. Und dies vielleicht auch wohlwissend unter dem positivem Effekt der Marke.

Das der Inhalt und der Ablauf der Abmahnung nicht öffentlich gestaltet wurde hat damit ja auch nichts zu tun, niemand hat ein Anspruch darauf so etwas zu erfahren.

2. Sicht: „Wütend wie die Meute“

Unglaublich!!!!1111elf. Abmahnungen unter Bloggern!!!!111elf. !!!!111elf.

Sowas von !!!111elf.

Also Blogger und Abmahnungen vertragen sich ja gar nicht. Egal das es hier nicht um eine Abmahnung an eine Privatperson gibt. Wenn ein Blogger abmahnt hat er seine Street-Credibility verspielt. Naja, Don Alphonso darf abmahnen, aber der mahnt ja fast nur Firmen ab, und macht das öffentlich, und hat dabei immer so coole Sprüche drauf. Aber dieser Markenbesitzer war doch vorher immer so cool und nett in seinem Blog und hat uns davon erzählt wie andere mit den Dingen die wir nicht verstehen (Rechtsprechung) umgehen. Und auch über die bösen Abmahner hat er gesprochen. Und nun macht er selber sowas. Nun will ich gleich mal der ganzen Welt verkünden wie schlimm ich das finde, und das ich diesen Blog nun bestimmt nicht mehr lese und aus meinem Feedreader nehme. Und den großen bekannten anderen Bloggern die das auch so sehen stimme ich zu, vielleicht linken die mich dann ja auch zurück.

3. Sicht: „Modell angeschossenes Reh“

Mist, Abmahnung kassiert.

Hmm, Marke anfechten? Naja, nach 3 Jahren… man kanns ja mal versuchen. Aber erstmal nennen wir das um und gehen drauf ein oder? Naja, die Seite muss weiter laufen, wäre schon schlecht wenn die nun durch eine einstweilige Verfügung gestört würde. Nee, da können wir sonst nix machen. Halt doch: Schreib das doch eben noch mal ins Blog, wird sich schon bestimmt jemand finden der drauf antwortet und das ganze weiterträgt. Soll er sich mal wundern, wenn das die Runde macht. Geben wir uns wieder Grasnarbennah und offen, dann haben die bestimmt alle Mitleid mit uns.

Noch nen Fazit:

Klar sollte man nicht allgemeine Begriffe als Marke verwenden. Ob die Marke zulässig ist hätte man seit 2005 klären können, so lange gibt es die schon. Menschenskinder: Selbst ich schau schon lange in der DPinfo nach bevor ich eine Domain anmelde! Dann kann man das von einem Unternehmen das auch noch im rechtlichen Bereich schwimmt doch auch erwarten! Einfach den bekannten Begriff mitbenutzen und auf dem Erfolg anderer schwimmen geht halt nicht.

Ob Law Blog oder Blog Bar oder Basic Thinking oder Netz Politik. Es sind alles erstmal allgemeine Begriffe, ist Micro und Soft auch. Das Zusammenspiel und die Nutzung sind dann eine andere. Und wenn es eine Marke gibt, kann man das innerhalb von 5 Minuten feststellen und sich so dem ganzen Ärger entziehen.

Nun war der Fall auch noch so das (nach Aussage von U.V.) _2_ mehr oder weniger freundliche, kostenfreie Mails der Abmahnung vorausgegangen sind. So warum aufregen?