Krieg ist nicht wie im Kino….

Jetzt mal ehrlich: Was wundert einen an diesen Aufnahmen? (Btw.  Nichts für zartbesaitete Gemüter und Tierfreunde…)

Im kurzen, damit sich nicht jeder den Quatsch ansehen muss: Es sind Videos aufgetaucht bzw. ins Interesse geschwemmt worden in denen Frontlinienfutter (i.e. der allgemeine Soldat oder Private) Tiere quält. Die grösste Schlagzeile war wohl  „U.S. Soldier throws puppy off cliff“.

Kommt ja auch schlecht an, gerade im Netz wo solche Digg oder Youtube Schnipsel quer durch alle Großraumbüros gemailt werden und über ICQ, MySpace oder StudiVZ Freundschaftslisten gelinkt werden. Tenor: Hier, die bösen bösen Amerikaner, diese stumpfen Soldaten. Schaut euch mal die an, was müssen das für schlechte Menschen sein. Kommt ja auch gut, gegen einen niedlichen Hundewelpen kann man nichts sagen. Fakt. Der kann nicht bei Al Quaida gewesen sein. Fakt. Und er ist doch sooo niedlich. Und die anderen armen Tiere können doch auch nichts für den Krieg. Fakt.

Aber. Natürlich kommt ein Aber. Ich sagte Krieg. Klar nennt man es politisch korrekt anders. Man formuliert es solange um bis es in den Nachrichten zwischen den Happen Käsebrötchen und Schinkensemmel passt. Aber das ändert nichts am Inhalt. Unabhängig ob nun im Irak, wo es im Schnitt zu 70-80 Anschlägen pro Tag kommt und auch zu fast so vielen Todesfällen (IBC). Das ganze kostet unter anderem auch deshalb fast eine halbe Billiarde. Oder in Afghanistan, wo die Taliban bald mehr Kontrolle haben als die Nordallianz (Info PDF).

Natürlich gibt es nirgendwo auf dieser Welt in einer Armee oder Armee-ähnlichen Struktur eine Vorschrift, Anleitung oder Freigabe Tiere zu quälen. Es gibt aber den Grundsatz, das ein Krieg jede Regel umwirft. Ohne Tucholsky zitieren zu wollen, ein paar andere Ideen zum Konzept des US-Soldaten, gerade in einer Berufsarmee; das sollte man sich das nochmal in Erinnerung rufen, noch haben wir hierzulande so etwas wie eine Wehrpflicht.

Der Soldat hat seine (spezialisierte) Ausbildung erhalten, kennt seine Befehlskette (aka: Wer darf mich anbrüllen, wen darf ich anbrüllen) und seine Aufgabe. Das Ganze kollidiert dann mit der realen Welt. Da draussen sind keine Soldaten ala Rambo&Co. Es ist der Querschnitt der Gesellschaft der sich freiwillig dafür entschieden hat in der Armee zu dienen und dies wissentlich des Punktes: Ich muss in den Einsatz, ich muss in den /nach Irak/Afghanistan. Neben dem selbsternannten Befreiern und Waffennarren findet sich dort vielleicht auch ein LKW-fahrender Kunststudent, der mal etwas „für sein Land“ machen wollte.  Und fast jeder weitere Typus der es durch Musterung und Ausbildung geschafft hat.  Bestimmt nicht ein perfekter Durchschnitt einer Gesellschaft (Um auf unsere Wehrpflicht zurück zu kommen: da gibt es sowas natürlich auch nicht mehr), aber auch nicht unbedingt eine totale Randgruppe die man dort findet.

Reagiert also ein gewisser Anteil der Menschheit so unter Stress? Lässt er seinen negativen Gefühlen (zu denen ein Einsatz in einem Kriegsgebiet unweigerlich fühlt, mit den Studien kann man ganze Bibliotheken füllen, Kriegsgeilheit oder Kriegstreibertum tritt eher bei den Personen auf die nie aktiv in das Geschehen einbezogen werden)  an wehrlosen Tieren freien Lauf? Oder ist es eher unsere eigene Wahrnehmung die uns hier einen Streich spielt?

Ich kann mich an eine Geschichte aus meiner Schulzeit erinnern die damals für einige „cool“ und „krass“ war. Es hat einer (aus Langeweile oder Suff) eine Katze tot geschlagen (Welch „heroischer“ Männereinsatz, ihm werden heut noch die Frauen zu den Füssen liegen, pfff…). Geschichten und Erzählungen wie auf dem Bauernhof die überzähligen Katzen oder Hundewelpen in der Regentonne ersäuft werden habe ich auch mitbekommen. Neben Milchkühen gab es und gibt es in dem Dorf aus dem ich komme Bauern die sich auf Fleischzucht spezialisiert haben. Dort stehen dann Bullen ihr kurzes Leben mehr oder minder non-stop vor einem Trog und fressen, bewegen ist nicht erlaubt und auch nicht gewünscht, soll ja zart bleiben.

Wer mal über längere Zeit im Mittelmeerraum unterwegs war, vielleicht Segeln o.ä. wird auch mitbekommen haben wie dort gegen streunende Tiere in den Häfen oder Touristenzentren vorgegangen wird. Das war alles nicht unter einer Umgebung der man einen Kriegszustand zusprechen würde. Für jemanden der Großstadt-nah aufgewachsen ist und lebt ist dies vielleicht nicht so vorstellbar, aber gerade im ländlichen Bereich herrscht oft eine sachliche Beziehung zu Tieren. Macht ja teilweise auch Sinn, ansonsten hätte jedes Tetra-Pak Milch, jedes Steak und jedes Ei im Supermarkt Existenzängste.

Für manche wäre es sicherlich auch OK gewesen eine „Ratte  oder so“ zu werfen. Aber nicht einen Welpen, richtig?

Tja, Fakt ist: Menschen zeigen so oder so Brutalität gegen Tiere. Teilweise täglich, teilweise weil sie es müssen, teilweise weil sie so ihre eigene armselige Existenz für einen Moment vergessen können. Das hat aber gar nichts, rein gar nichts damit zu tun ob diese Menschen Soldaten sind, und auch nicht ob sie Amerikaner sind. Das sich dank Youtube&Co so etwas vom Hörensagen zum direkt Sehen und miterleben wandelt ist unsere aktuelle digitale Revolution. Ich nehme mal an das man mit in paar kurzen Suchen unzählige vergleichbare Videos finden kann, ohne den Krieg-Soldaten-Hintergrund.

Sicherlich kann man über die Besetzung und Auseinandersetzungen in diesen Ländern einiges sagen. Sich aber nun daran zu brüskieren und den Punkt der Tierquälerei in den Vordergrund zu stellen, sich darüber zu beschweren als neue „Gräueltat“ der US-Armee: Gehts noch?

Jeden Tag sterben dort mehrere Menschen, Taliban, Soldaten, Zivilisten. Die Länder rutschen langsam aber stetig ins Chaos. Ein paar Tiere sind da (leider) noch die kleinste Sorge.

Nur um abschliessend etwas klar zu stellen: Ich liebe Tiere, „hab“ selber genug und  bin fast immer von ihnen umgeben. Ich lehne Gewalt gegen Tiere ab und Menschen die solche Gewalt gegen Tiere äussern sind auch in meinen Augen psychologisch nicht immer  klar auf Kurs. Das ändert aber nichts daran das hier gewaltig die Proportionen vergessen werden und mit einer meinungshaschenden Methode versucht wird Stimmung zu machen. Und das muss nicht sein.