Blog und Traffic, Edition 09/2008

Ok, dies ist nicht mein erster Beitrag zum Thema Traffic, ich habe mich ja schon öfter dazu geäussert, auch im Detail.

Diesmal ein paar neue Ansichten, Überlegungen und Ideen zu einem Thema das eher in ein SEO-Blog gehört als in mein kleines privates Durcheinander.

Fangen wir erstmal an die Begriffe zu zerlegen.

Der Informatiker-Teil in mir würde als Traffic grob den gesamten Datenverkehr bezeichnen, der vom meinem Blog weg und zu meinem Blog hinfließt. Also nicht nur die Zugriffe auf die Seite, auch das was von der Seite ausgesendet wird. Dieser Datenverkehr füllt technisch gesehen einen Teil der „Leitung“, belegt ein Datenvolumen. Der Informatiker-Teil in mir sagt erstmal: Dieses Volumen muss minimal sein. Warum? Nun ,Traffic kostet. Es kostet Zeit, auch wenn sie noch so minimal ist, Daten von A nach B zu bringen. Je größer das Volumen dieser Daten ist, desto länger dauert es. Oder desto mehr Platz brauchen die Daten in der Leitung. Ein Blog ist nichts was einem Tier-1, oder einem Tier-2 Carrier oder ISP Sorgen macht, auch bei meinem Provider/Server ist der auftetende Traffic kein Grund zur Sorge. Aber theoretisch sollte man bemüht sein dieses auftretende Datenvolumen so minimal wie möglich zu halten. Die gebauten Autos sind (meist) ja auch nicht breiter als notwendig, und beim Einkaufen geht man mit dem Einkaufswagen ja auch nicht für jeden Artikel erneut los. Optimierung des Traffics wäre also aus dieser Sicht die Möglichkeit das gewünschte mit minimaler Größe und maximaler Effizienz zu übertragen.

Auf ein Blog übertragen könnte man sagen: So prägnant wie möglich schreiben und die Artikel so adressieren das sie auschliesslich bei der Zielgruppe ankommen. Kein überflüssiger Traffic zu Stellen die mit dem Inhalt nichts anfangen können, kein überflüssiger Inhalt der den eigentlichen Kern des Beitrages belgeitet. So bloggt natürlich keine Sau (Nein, auch ich neige dazu zusätzliche Informationen zu schreiben, auch Zielgruppen zu adressieren die das Thema eigentlich nicht verstehen können/wollen oder Erläuterungen in Klammern einzufügen.).

Aus Sicht der, wie nenne ich sie nun, BlogWirtschaftler(?) ist hingegen ein hoher Traffic ein sehr großes Ziel. Traffic ist hier nicht (nur) das auftretende Datenvolumen und der Verkehr, vielmehr meinen die meisten mit Traffic die Anzahl der einzelnen individuellen Anfragen. Wir ziehen also vom eigentlichen Traffic das ab, was durch Bots erzeugt wird, durch RFC und haben dort den gewünschten Traffic.

Zwei Sichten auf sehr unterschiedliche Dinge.

Reden wir von Besuchern. Besucher sind das, was ein Blog interessant macht. Relativ interessant. Ich diskutiere gerne mit meinen Besuchern wenn sie thematisch etwas beizusteuern haben und sich halbwegs verständlich ausdrücken können. Solche Besucher habe ich sehr gerne hier. Ich muss nicht immer einer Meinung mit ihnen sein, aber es ist angenehm die Meinung zu den (von mir vorgegebenen, weil gebloggten) Themen zu besprechen. Irgendwelche extremistischen Hohlbirnen, selbsternannte SEO-Experten oder tumbe Spammer können mir gern gestohlen bleiben und verschwinden auch relativ schnell wieder in der Versenkung. Besucher sind aber auch der Teil des Datenverkehrs, der sich direkt mit den Inhalten beschäftigt. Wir sagen und schreiben also Traffic, meinen aber den individuellen Nutzer der vor seinem PC sitzt und sich unsere Seite ansieht. Schonmal ein großer Unterschied. Es geht um einen interaktiven Empfänger, nicht eine möglichst hohe Zugriffsrate an sich. Ok, bei mancher Spielerei sagt der Tech-Geek in mir „testen wir das mal“. Funktioniert auch immer sehr gut, Beispiel ImageVZ….

Interessant für „BlogWirtschaftler“ wird hier das Thema, wenn der präsentierte Inhalt einen finanziellen Mehrwert für den „BlogWirtschaftler“ bewirken soll. Wir reden von Werbung, Goog-Denglisch auch Ads genannt. Diese Ads sollen in Verbund mit hohem Traffic den finanziellen Erfolg bringen.

Sagen wir mal so:

PHASE 1: Traffic erhöhen, Werbung schalten

PHASE 2: ?

PHASE 3: Profit!

Nun haben wir den Sinn von möglichst viel Traffic in einem Blog verstanden 😉 Und genau so verhält sich das mögliche Marketing zu 90%.

Ok, es gibt auch viele die den Traffic erhöhen wollen um mehr Besucher des Besuchs zu erhalten. Doch hier liegt die Problematik in der Wirksamkeit. Allgemein den Traffic erhöhen geht sehr schnell. Gezielt die Personen ansprechen, die man für sein Blog/Thema interessieren will hingegen ist sehr schwer. Es gibt da zwei grobe Richtungen:

  • Man nutzt verschiedene technische Hilfsmittel, um die Sichtbarkeit der eigenen Inhalte zu erhöhen. Bereitstellung der Daten in verschiedenen Formaten, (korrekte) Nutzung von Meta-Tags, Mehrsprachigkeit, korrekte XHTML Codierung, gradlinige optische Gestaltung und verständliche Formulierung der Inhalte wären dort eine Möglichkeit. Man erleichtert potentiellen Nutzern das Auffinden der eigenen Seite und das Verstehen der Inhalte. Funktioniert allerdings nur begrenzt, da es grade im Bereich der Blogs inzwischen viele „Sender“ allgemeiner Informationen gibt, und zu vielen Themen gibt mehr Sender als potentielle Konsumenten.
  • Weg Zwei ist die Schrotflintenmethode Model Street Sweeper: Man feuert seine Inhalte auf alles was nicht bei drei auf den Bäumen sitzt. Man fügt beliebte gängige Schlagworte in seine Beiträge ein, egal ob sie inhaltlich kompatibel sind oder nicht. Man versucht mit allen Mitteln die Inhalte zu transportieren. An alle. Möglichst viele Trackbacks in einen Beitrag packen (Vergleichbar mit den Listen des „Blogs und Ranking“-Beitrags 😉 ), am besten auf verschiedene Beiträge um die indirekte Sichtbarkeit der eigenen Inhalte zu erhöhen. Dieses wilde Streuen der Informationen soll den Besucher neugierig machen und auf die eigene Seite locken. Die Verteilung der Daten per RSS bsw. ist nicht unbedingt gewollt, da die belgeitenden Werbeinhalte so nicht mit transportiert werden. Gentleman übertragen zumindest einen Teil des Beitrags als Eye-Catcher, andere senden nur den Titel der als Lockstoff dienen soll. Thematisch Interessierte wird man eher weniger locken können, da sie gezielter und vorsichtiger nach Informationen suchen. Themen der niederen Instinkte sind hiervon natürlich ausgenommen. Wer mastubierwillige Teenager auf seine Seite locken will benötigt nur entsprechende Titel-Schlagzeilen, vergleichbares lässt sich mit ähnlich inhaltsvollen Themen aus der Politik, dem Sport oder dem gesellschaftlichen Leben erreichen. Ab einem gewissen Sensationsgrad sind Klicks sicher. Grundziel ist es aber immer eine möglichst hohe Menge an Besuchern auf die eigene Seite zu locken.

Die beiden Ansätze stehen einem Qualitäts- und einem Quantitätsdenken gegenüber. In der Praxis bringen sie beide nur mittelmässig Erfolg wenn man seine Ziele schnell erreichen will. Da kann dann nur Vitamin B oder eine direkte Ansprache der gewünschten Zielgruppe helfen. Wer bspw. ein Blog übers Stricken betreiben will könnte ja in einem Strickforum (in dem er aktiv ist) auf das Blog hinweisen und um Anregungen und Kritik bitten.

Wir haben nun gesehen was Traffic eigentlich ist, und warum viel Traffic im Grunde schlecht ist. Wir wissen das es eigentlich um den individuellen Besucher geht und seinen Besuch auf der Seite. Für den Part der die finanziellen Aspekte des Bloggen sieht, ist dies ein Teil seiner Geschäftstrategie, für den (anscheinend immer kleiner werdenen) Teil der im Besucher einen Konsumenten der Informationen sieht, ist es die Zielgruppe und der potentielle Diskussionspartner.

Fangen wir an unsere Besucher für beide Bereiche zu optimieren.

Für den Blogger der nicht an der Werbe-Schiene interessiert ist, sind wiederkehrende Besucher interessant. Sie können die Entwicklung innerhalb des Blogs beobachten, im Verlauf der Diskussionen „lernt“ man sein Gegenüber kennen, wohlmöglich kann sich eine persönliche Ebene zwischen Blogger und Besucher entwicklen, auf der die Kommunikation abläuft. Zusätzlich zu dem Wissen jemanden mit den eigenen Inhalten erreicht zu haben besteht für den Blogger die Möglichkeit des Erfahrungs- und Meinungsaustausch. Dies stellt auch eine Form des Profit dar, wenn auch keine die in den Ferengischen Erwerbsregeln enthalten sein dürfte. Das interessante an solchen Besuchern ist die Vitamin-B-Kettenreaktion. Wenn der Besucher wiederkommt wird er auch irgendwann, und wenn es indirekt ist für weitere Besucher sorgen. Menschen neigen dazu ihre Erfahrungen mitzuteilen und weiterzugeben. Wenn es also jemanden gibt der immer wieder auf das Blog kommt und öfter kommentiert wird er eventuell auch mal einen Trackback setzen oder das Blog in die Blogroll aufnehmen, wenn er selber Blogger ist. Vielleicht hat er das Blog aber auch in seinen webbasierten Lesezeichen oder seinem FeedReader, der Phantasie sind da nicht so wirklich die Grenzen gesetzt, wir können uns das nun alles in schönsten Farben ausmalen. Solche Besucher sind aber nun mal selten und nicht die Masse.

Der optimierte Besucher für den finanziell motivierten Blogger kann auch gerne öfter vorbei kommen. Wenn er das nicht tut, schade. Aber er war da und hat sich die Werbung angesehen. Denn der optimale Benutzer für Werbeträger hat hoffentlich ein geringes technisches Verständnis und nutzt vielleicht auch keinen Ad-Blocker oder ähnliche Dinge. Wer schonmal Besuch über Google zu einem aktuellem Boulevardzeitungsthema hatte, weiss was für Besucher ich meine. Sie werden über ein Keyword auf die Seite gelockt und hoffen dort die gewünchte Information zu finden, die nicht unbedingt vorhanden sein muss. Nun kann es drei grobe Wege geben, die der Besucher einschlägt:

  • Schlecht: Er verschwindet und kommt wohl nicht wieder. Bis zum nächsten Google-Keyword. Hat die Werbung aber gesehen
  • Geht schon: Er bleibt auf der Seite, schaut sich die (Kontextsensitive) Werbung an, ein paar weitere Artikel „die ihn interessieren könnten“
  • MUhaha: Er bleibt, lange. Er klickt mehrfach auf den Artikel um „das Internet“ neuzuladen. Er hofft nach der Zeit kommt das gewünschte von alleine. Dann klickt er noch eine ganze Weile wahllos auf der Seite und klickt auch auf die eingeblendeten Banner und Links. Irgendwo muss was passieren!!!!!111elf

Die Wahrheit liegt vielleicht irgendwo dazwischen, aber diese Besucher sind es die man für ein werbe-orientiertes Blog haben möchte (Nein, nicht das Thema Werbung, das könnte ja auch interessant sein). Wer glaubt das es solche Menschen nicht gibt, soll sich glücklich schätzen ob seiner heilen Welt. Ich erinnere mich an einen Blick in die Statistiken bei der ein Nutzer geschlagene 45 Minuten bei diesem Beitrag verbracht hat, in der Hoffnung doch noch das Video zu sehen. Ständige Reloads bis es ihm dann wohl doch zu lange dauerte. Sorry aber mein Internet war da grad kaputt und im Laden hatten sie keins mehr.

Ich unterscheide aber kommerzielle Nutzung eines Blogs von der Nutzung eines Blogs zum Gelderwerb. Begleitend kann ein Blog ein sehr professionelles Werkzeug sein, intelligent genutzt und gut eingebracht ist es so möglich Geld zu verdienen, aber das geht nun nicht allein durch das Blog sondern dadurch, dass Blog als eine Methode zu nutzen um sein Ziel zu erreichen. Meta-Blogs fallen also schon raus, aber warum nicht fachliche Informationen aus seinem Arbeitsgebiet als Referenz in Form eines Blogs verbreiten? So wird der faktische Inhalt zu einer eigenen Werbung, ohne dies in einer aufdringlichen Form zu machen oder an Mehrwert zu verlieren.

Also, schnell eine Schlussteil, bevor das Thema zu weit zerlegt wird:

Es gibt Hui und Pfui (IMHO). Hui macht das Bloggen weil es Spass macht, Pfui weil er glaubt damit Reibach machen zu können. Sicherlich ist nicht alles schwarz-weiss im Blogland, aber der Anteil an Hui und Pfui macht es aus. Beispiel: Ein gewisses sehr bekanntes Blog das sich mit juristischen Themen auseinandersetzt dürfte für den Autor schon den ein oder anderen Vorteil in Form von neuer Kundschaft gebracht haben. Das Blog hat aber kaum Pfui. Es informiert, es erlaubt die Diskussion und hat keine direkte Form von Werbung. Traffic ist hier auch eher ein Problem im Sinne des Datenvolumens als eine Wunschvorstellung.

Ein genaues Negativbeispiel spare ich mir um schon erhitzte Gemüter nicht noch weiter zu kochen, doch allgemein kann man sagen neben Laut und Bunt fällt es dadurch auf, das die verlinkt sind, „die man verlinken muss“, viele bunte Werbebanner vorhanden sind, thematisch zu allen „wichtigen“ Dingen etwas geschrieben wird, SEO-optimiert natürlich.Viel Pfui, wenig Hui. Die Inhalte sind austauschbar, wichtig ist da erreichen eines hohen Durchsatzes an Besuchern, viel „Traffic“ bedeutet hier viel Besucher. Man deutet zwar an eine hohe „Wiederkehrerquote“ zu besitzen, interessiert ist man aber an der hohen Quote der 08/15-Nutzer, die einmaligen Visits die eine hohe Klickrate aufweisen. Man kommentiert auch viel bei denen, „bei denen man kommentieren muss“ um gesehen zu werden.

Sicherlich gibt es einige Meinungen die sagen: „Lass die Leute doch, wenn du meinst keine Werbung schalten zu müssen: Gut. Aber lass uns unsere Werbung.“

Nein, mach ich nicht. Ich lasse dem Spam in meiner Email Inbox filtern, an unserem Briefkasten klebt ein deutlicher Hinweis keine Werbung, Flugblätter und kostenlosen Zeitungen einzuwerfen (Allein die Kirche hält sich mit ihrem Werbebrief nicht daran, aber bald Sammel ich die Dinger, nehm einen Industrietacker und mach ein auf Luther) und ich nutze im Browser einen Ad-Blocker. Wenn ich ein Thema habe, über das ich mich informieren möchte, dann will ich Informationen zu diesem Thema und nicht wissen, was man noch alles schönes machen kann. Ich möchte bei der De-Facto Suchmaschine nicht erst zehn Seiten überspringen oder mehrere Parameter nutzen müssen weil das Thema gerade „In“ ist oder verschiedene SEO-Bratwurst-Experten es in alle ihre Seiten einbauen. Werdet doch einfach wieder die Webdesigner-Assistenzkräfte die ihr früher wart und lasst das SEO die eigentlichen „echten“ Entwickler der Seiten machen, das ist deren Aufgabe und kein Nachbesserungsarbeit. Der hinkende Vergleich Auto: Ich will mir doch keinen Wagen kaufen der dann erstmal direkt in die Werkstatt muss um repariert oder verschlimm-bessert zu werden.

Wenn ich Werbung sehen will, dann nur bewusst und nicht als indirekte Überschwemmung meiner Wahrnehmung. Ich möchte nicht da man meine Inhalte nutzt, um Werbung für seine eigenen Inhalte zu machen. Und schon gar nicht ungefragt. Es ist nicht so das ich Marketing und Werbung verbanne, gut gemachte und innovative Ideen könnte ich sogar unterstützen, doch ein einfaches Abgreifen und Klauen der Äpfel aus Nachbarsgarten passt mir nicht. Das Pflücken von Weintrauben kann woanders versucht werden, aber nicht hier…

BBR, Bloggerbeißreflex…

Gudn Morgähn!

In meinen Boxen dudelt gerade der King mit Good Luck Charm, was mich irgendwie an einen Teil des Soundtracks von Traumschiff Surprise erinnert.

Für einen kleinen Moment habe ich doch wirklich daran gedacht, nun nachzuforschen oder zumindest zu googlen, welches Lied da nun ein Cover oder Auszug nutzt und ob sich schon jemand ob dieses Anleihe aufgeregt hat.

Ich denk mal ich mach mir aber eher erstmal einen leckeren Tee 😉