Hurricane 2008 – Zeit für Musik | 2/5 |

Der erste Tag der Musik, der Freitag.

Frei nach dem Motto „Kein Plan überlebt den ersten Feindkontakt“ wurde die musikalische Wunschliste den Bedürfnissen angepasst.

Nach einem guten HalloWach Drink Marke Eigenbau (konzentriertes Magnesium und Vitamin C wecken wie nix anderes) gab es ein kleines „Hallo wo kommt ihr den her?“ Gefühl. Unser C2 war aufeinmal doch sehr voll geworden, aber nicht wirklich so voll das man merkte das 75.000 Leute unterwegs waren.

Nach einem klassischem Frühstück mit frischem Tee, Obst und Gemüse zu frisch getoastetem Toast ging es dann auf zum obligatorischem Scheeßel-Run. Dieser leicht obskure Zoo-Besuch, bei dem man nie weiss, wer das beobachte Tier und wer der Besucher ist, macht jedes mal aufs neue Spass. Die versammelte Dorfjugend der tiefer-breiter-härter Gruppe düst durch das Dorf auf ein wenig suche nach Beachtung, die ersten Vorräte werden aufgefrischt und die örtlichen Begebenheiten beobachtet. Leicht suspekte Unternehmen mit überdimensionalen Gebäuden und unternehmenseigenen „Badeseen“ erinnerten nicht nur mich an die Scorpio-Corp. oder Dharma.

Nach diesem erfrischendem Spaziergang (am Tag zuvor hat man sich ja kaum bewegt) ging es auf zu einer kräftigenden Stärkung: Grillen. Dadurch verschob sich die Planung natürlich, so wurde:

Shantel & Bucovina Club Orkestar

der erste Auftritt zu dem wir es schafften. Partystimmung pur, Disco Disco Partisani & eine weitere Band auf der Liste der Lieblinge. Hat auf jedenfall Spass gemacht und die schon arg strapazierten Füße mussten noch einiges aushalten.

Tja, und wenn man schon mal vorne ist, dann kann man auch ganz nach vorne gehen, denn da kamen meine diesjährigen Geheimfavoriten:

Rodrigo y Gabriela!

WOW! Was für ein spitzen Auftritt. Hab ich zwar schon per Handy geschrieben, aber ich wiederhole es nochmal: Götter an der Gitarre! Ok, schade das nicht wirklich viele den (kompletten) Text von Pink Floyds „Wish You Where Here“ kannten, aber das ich mit meinen schwachen Erinnerungen noch zu den wenigen gehörte die da was wussten führte schon zu einem gewissen Grad an Fremdschämen. Ansonsten können die beiden wirklich jede Bühne rocken, wer die Möglichkeit hat, sie Live zu sehen sollte dies unbedingt nutzen.

So, da ich früher noch nie wirklich Kettcar gefahren bin und mich die Zeltbühne interessierte ging es zu den

The Beautiful Girls

Yeah, der Sound in dem Zelt, das rockte! Die Band rockte, die Stimmung im Zelt war grandios, spätestens jetzt war klar, dass dieser Tag ein anstrengend langer wird. Leider bin ich dann zu nett gewesen, habe Bell X1 doch nicht gesehen sondern:

Monster Magnet

eine weitere Chance gegeben. Hätte ich nicht machen sollen. Ja, musikalisch war es besser als 2004, aber umgehauen hat es mich auch nicht. Diesmal waren sie auch ohne Stripperinnen unterwegs, das Label Fick-Rock werden sie bei mir aber wohl auch nicht mehr los. Musik für den CD-Player oder die Disse halt.

So, da meine Assi-Quote noch nicht gedeckt war gings zu

Deichkind.

Mh, fällt mir schwer das nun kurz zu fassen. Die Musik ist nicht immer mein Ding, die anwesenden Leute waren es überhaupt nicht. Remmi Demmi Yeah Yippi Yeah ohne den Commander.

War wohl auch eine gute Entscheidung, denn so konnte ich den

Jason Mraz

noch sehen. Chillige Stimmung, der Sound im Zelt wieder genial (im Gegensatz zu den Bühnen), und der Sonny-Boy Mraz kann wirklich gut singen. Die Mischung aus Rock, Reggae und mehr machte wirklich Spass zu hören und lud zum mittanzen ein. Schade für all die jenigen die das verpasst haben 😉

Das Folgeprogramm war für mich klar, zwischendurch Luftschnappen, ein paar Takte NoFX hören und dann ab zu:

Xavier Rudd

Surferstyle, multiinstrumental, einfach rockend! Von hart bis zart war alles dabei, zwischen Lagerfeuer-Gedudel und „ich bin aus dem Matrix-Soundtrack“ war alles dabei. Der dritte Mann auf der Bühne tat mir ein wenig leid, er wechselte im Minutentakt die Instrumente. Das dazu noch teilweise tiefsinnige Texte kamen war dann auch noch ein Bonus. Inzwischen war mir das Zelt so sympatisch, das ich weder Jan Delay noch die Beatsteaks hören wollte, schliesslich kam noch etwas Indie an mein Herz:

Tegan and Sara

Sehr sympatische Musik, mit einer leicht wirren Mischung aus Pop und Folk, Indie wie man ihn sich vorstellt. Die Zwillinge an der Front können auch mit dem Publikum gut umgehen, was will man mehr. Und das sich Zwillinge nicht nur optisch sehr ähneln sondern das auch im Gesang schaffen, solche Effekte will manche Band gerne haben.Achja, sie stehen halt mehr auf Hockey als auf Fußball, aber mit solchen Ansagen hätte man die Jan D. Seher eher schocken können…

Da man bei der Musik ja selten ruhig stehen bleibt kam nun das Gran Finale:

The Chemical Brothers

Yeah, was eine geile Show. Die Erinnerungen ans Bizarre 2002 werden wach, aber diese Light&Sound-Show war nochmal eine Stufe besser. Da wurde wirklich fast jeder Sinn gefordet, vom Auge zum Ohr und dem Bass der einen durchschüttelte. Viel mehr muss man dazu wirklich nicht sagen, es wurde von Alt bis Neu etwas gespielt, es gab endlich mal eine Zugabe (vorher war der Zeitplan zu straff?) und mit qualmenden Füßen ging es dann zurück zum Zeltplatz.

Ein abschliessendes Grillen fiel aus, und da es doch merklich abgekühlt hatte ging es dann eher ins Zelt als noch eine Runde zu grillen.

Hurricane 2008 – Anreise am Tag des Thors | 1/5 |

Musik ist das Leben, und Leben ist in der Musik. So begab es sich im Jahre 2008 das einige tapfere Recken sich aufmachten ins nicht ganz so ferne Scheeßel, um eine kleine Zeitspanne unter freien Himmel zu campieren und das Überleben fernab von jeder Zivilisation zu proben, kurz: Es war Zeit fürs Hurricane.

Der Donnerstag, Tag der Anreise gestaltete sich ausgesprochen Stressfrei. Platz und Luxus waren die diesjährigen Begleiter auf unserer Reise. Den Platz fanden wir dann leider nach Ankunft nicht mehr, sowohl der angestrebte P4 als auch der gewünschte C1 waren schon rappelvoll. Wo der noch nicht befüllte P4 gar nicht mal so kritisch war, nervte die Situation auf C1 um so mehr. Lücken für 2-3er Iglus konnte man noch genug finden, doch unser etwas größeres Zelt passte nur noch an eine Stelle:

Das Heerlager von www.mein-gott-ich-bin-zu-doof-ein-zelt-aufzubauen-oder-habe-reiche-eltern.de

Geschätzte Drölf Zillionen Quadratmeter wurden für die Zelte freigehalten, die für ganz faule oder dumme gedacht sind. Ohne den Zeltaufbau hat man sich das erste Bier gar nicht verdient, irgendwie verweichlicht die Jugend aber auch immer mehr.

So jedenfalls begann die Odyssee auf der Suche nach einer geeigneten Stelle für Zelt und Pavillon.  Schnell das Kurzzeitgedächnis angezapft, erinnerte man sich an den Tip von Marc (einem der Veranstalter) aus dem Hurricane-Forum: „C2“. Gut, der Weg zu C2 war etwas weiter, aber die Lage war ideal.

Wiese statt Acker, höher gelegen als der Rest, großzügige Wasser-Sanitärstation in der Nähe und am Donnerstag mehr als leer. Aber etwas weit ab vom Schuss. Wenn man Google Earth glauben darf, haben wir so gut 16km zurück gelegt bis alles am Platz war. Das ging Dank Bollerwagen aber auch erstaunlich gut, und so konnten wir uns nach einem leicht windigen Aufbau endlich den Grill anwerfen. Dabei bemerkten wir auch wieviel des mitgeschleppten Gewichtes an Genuß- und Nahrungsmittel ging, so gesund wie auf diesem Hurricane habe ich mich noch nie auf einem Festival ernährt (Massig Obst und Gemüse, man wird halt doch Älter).

Die Entfernung des Zeltplatzes vom Parkplatz sorgte nun dafür, dass das Public Viewing für uns ausfiel. Aber Not macht erfinderisch und so wurde das Handy samt Boxen zum Radio umfunktioniert und so klassisch wie früher das fliegende Leder nur akustisch verfolgt. Das Ergebnis und jedes Tor wurde dann ja noch von den übrigen 49.997 anwesenden Besuchern bejubelt, mal ehrlich: Ein Stadion ist nichts gegen diese Lautstärke 😉

So zog sich der Abend in die Länge, der Platz füllte sich mehr und mehr, mit nicht unangenehmen Nachbarn, und als die Sonne anfing aufzugehen wurde dann doch mal das Zelt und der Schlafsack von innen begutachtet.